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Fahrten und Lager

Wir sind regelmäßig unterwegs. Ob im Sommer auf Sommerlager oder Pfingsten auf Großlagern oder aber auf den vielen kleinen Fahrten, bei denen wir uns einfach aufmachen und irgendwo ein paar erlebnisreiche Tage verbringen.

Wir haben eine Karte mit den Orten, an denen wir bereits waren, gefüllt. Dort seht ihr, was wir seit der Stammesgründung alles erlebt haben. Einen Überblick über die Lager und Großaktionen gibt es auch.

Ein Fahrtenbericht der etwas anderen Form stellt vielleicht ein wenig da, wie es ausschaut, wenn man nach einem Lager wieder heimkommt.

Sonntagabend, so gegen 17 Uhr

Ich komme gerade von dem Sommerlager nach Hause. Meine Eltern erwarten mich und meinen Bruder zwar schon, aber sie haben aus zehn Jahren Pfadfindern gelernt. Eigentlich sollten wir schon um 15 Uhr ankommen, aber da die Pfadfinder ihre eigene Zeitrechnung haben, überrascht sie unsere zweistündige Verspätung auch nicht mehr. Die Begrüßung fällt zwar herzlich aber kurz aus, denn wir werden mit den Worten: „Ihr stinkt! Zieht euch auf der Terrasse aus und geht erstmal duschen“ ins Badezimmer verbannt. Na gut- die Wanderschuhe auszuziehen grenzte fast an Körperverletzung. Aber ansonsten rieche ich doch sehr angenehm nach Freiheit und Rauch. Ich gebe zu, das Duschen ist dieses Sommerlager sehr sparsam ausgefallen. Aber ich bin dieses Jahr mal richtig braun geworden. Zwar sind nur die Unterschenkel, die Unterarme, das Gesicht und der Hals von der Urlaubsbräune betroffen, aber immerhin.

Nach der warmen Dusche, deren Vorzüge man erst nach zwei Wochen mit einer kalten Gartenschlauchdusche zu schätzen weiß, legt sich meine Freude über den neuen Teint. Ich bin wieder kalkweiß. Der nächste Weg führt zu dem Kühlschrank. Mal schauen was in dem Selbstbedienungsladen „elektrischer Kühlschrank“ alles zu finden ist. Die sonst ellenlange Schlange vor der Essensausgabe beschränkt sich hier auf meinen Bruder und mich. Ich nehme mir die Quarkspeise und setze mich zu meinen Eltern in den Garten. Meinen Eltern zu liebe passe ich mich an und nehme auch eine Gartenstuhl, obwohl ich den Boden bevorzuge. Ein wenig suspekt ist mir dieses Essen ja schon, so ganz ohne Dekoration vom Waldboden.

Nun folgt der schrecklichste Teil des Tages: Sachen auspacken.

Alles halb so schlimm, wenn man die Ordnung in meinem Rucksack kennt. Meine Kleidung kann von selber stehen und läuft fast schon alleine in die Waschmaschine. Ich muss sie vielleicht noch ein wenig mit ihr trainieren. Der einzige Vorteil ist, dass ich keine Tarnfarbe oder Büsche bräuchte um mich im Wald zu verstecken. Diese Aufgabe übernimmt meine Kleidung jetzt automatisch. Die alljährlichen sehr berühmten 10 % Verlust meines Gepäcks sind auch bei mir vorhanden.

So, auch das wäre geschafft. Jetzt geht es an das lang ersehnte Abendessen.Ich gebe die Margarine immer links rum, auch wenn der, der sie haben wollte rechts von mir sitzt. Was man sich nicht so alles angewöhnt in zwei Wochen. Jetzt fällt mir aber auf wie sehr ich es vermisse, dass beim Essen Kinder auf mir rumklettern oder dass irgendwer beim Essen rumnörgelt und es anschließend akribisch seziert. Auch das allabendliche Ritual des Heimweh-Schokolade Verteilens fehlt.

Aber für heute war der Tag anstrengend genug. Ich gehe in mein Bett. Ein echtes Bett. Keine Isomatte, die man erstmal hochheben muss um sie von dem Chaos (oder besser gesagt dem gesamten Rucksackinhalt) befreien muss um einen halbwegs angemessenen Schlafplatz zu bekommen.Keine Suche nach Krabbeltierchen in meinem Schlafsack oder die Überlegung ob man sich noch auszieht oder sich doch gleich – praktischerweise- mit Kluft in den Schlafsack legt. Aber zwei paar Socken anziehen, es könnte schließlich kalt werden heute Nacht. Endlich Augen zu! Keiner der über einen oder auf einen tritt, weil er die Taschenlampe vergessen hat. Kein Kind was mich nachts aus meinem Tiefschlaf reißt, weil es Monster im Zelt hat.
Einfach nur Ruhe! Zeit um ein wenig von der vergangenen Zeit zu träumen. Es waren schöne zwei Wochen, anstrengend aber wunderschön.

Sonntagnacht, gegen 22 Uhr

Ich lieg immer noch wach. Ans Einschlafen ist noch lange nicht zu denken. Soll ich meine Taschenlampe rausholen und noch ein wenig lesen? Nein! Ich hab ja sogar „echtes Licht“. Doch mir ist nicht nach lesen. Was soll ich dann tun? Über mir ist kein Sternenhimmel, in den man sich vertiefen kann und durch den man langsam in eine Traumwelt abdriftet. Heute Abend war auch keine Feuerrunde. Keiner aus der Gruppe da, mit dem man sich unterhalten könnte über den Tag, über seine Gedanken. Auch keine Kinder die Heimweh haben oder denen man eine Geschichte vorlesen kann. Das abendliche ins Bett bringen fehlt mir genauso wie das Schimpfen wenn auch um 24 Uhr noch auf dem Platz rumgegeistert wird.
Trotzdem sollte ich langsam mal schlafen, morgen geht es schließlich an das LKW auspacken. Vorher steh ich aber noch auf und öffne das Fenster und die Tür. Ansonsten fühle ich mich total eingesperrt in meinem Zimmer. Ein wenig Freiheit in der „zivilen“ Welt.

Montagmorgen, 6 Uhr

Der alltägliche Rhythmus der vergangen Wochen beginnt. Ich mache die Augen auf, schaue auf die Uhr – Glück gehabt, kurz vor 6. Anziehen, Waschen, Brötchenschmierdienst für 200 Leute, Kinder wecken, frühstücken. Stopp- dein Gehirn macht einen Fehler. Du musst nicht aufstehen. Aber ich kann nicht liegen bleiben. Also suche ich ganz leise den Reißverschluss meines Schlafsackes um die anderen nicht zu wecken. Welcher Schlafsack? Welche anderen? Aufwachen, Imke! Ab ins Badezimmer und fertig machen. Dann gehe ich zum Bäcker um Frischluft zu schnappen. Wie viel Brötchen man jetzt für 32 Leute könnte ich beantworten. Bei vier steh ich vor einem Rätsel. Das wird aber auch gemeistert und ich gehe in dem gewohnten Schritt zurück. Ich denke kurz ans Singen, aber mir fällt rechtzeitig ein, dass es eine große Blamage wäre alleine singend die Hauptstraße runter zu laufen.
Beim Frühstück wandert meine Hand automatisch zum Gürtel, aber kein Messer zu finden. Nun gut, ich begnüge mich mit den stumpfen Rittern die auf einem Tisch liegen.

Montagmorgen, 11 Uhr

 

Auf dem Weg zum LKW ausladen fällt mir auf, dass ich zu lange auf Fahrt war, da ich alle Menschen bemitleide, weil sie so ein langweiliges Leben haben müssen und ich mir nicht vorstellen kann, wie meins ohne Pfadfinder aussehen würde. Doch ich weiß an diesem Morgen warum ich Pfadfinder bin- weil ich nicht anderes kann. Ihr Blick hat mich gefesselt, ihre Einfachheit fasziniert und ihr Händedruck bewegt. Ich kann nicht anders.
Die Erinnerung an die Frage einer Freundin kommt wieder. Ob es für mich ein Leben außer Pfadfinder gäbe. Ich erwiderte, dass ich davon schon mal gehört habe, aber dass es nicht so interessant sein soll.
Pfadfinder ist mehr, als ein Hobby. Es bedeutet alles zu teilen.Freund und Leid, Spaß und lange Abende, gemeinsame Erlebnisse, gemeinsame Wanderung, Kanutouren bis zum Rande des Machbaren. Es heißt an die Grenzen stoßen, gemeinsam singen, spielen. Es bedeutet zusammen und voneinander zu lernen und aneinander zu wachsen.
Was sind schon Abenteuer, Freiheit und Gemeinschaft im Gegensatz zu Fernsehen, sauberer Kleidung und einem Bett? Absolut gar nichts. Das werden wohl die wenigsten verstehen, das muss man erleben. Aber wenn man es einmal erlebt hat, dann bleibt man dabei.
Pfadfinder sein ist mehr als ein Hobby – es ist eine Lebenseinstellung!